Kronprinzessinnenweg – Beelitzhof

Auf dem Bild rechts neben dem 1975 bezogenenen Feuerwehrgebäude am Kronprinzessinnenweg 20 beginnt der Nikolasseer Teil dieser um 1882 angelegten Straße, die ab Abzweig Havelchaussee parallel zur AVUS verläuft und ab dieser Stelle bis zum Auerbachtunnel am Bahnhof Grunewald für den allgemeinen Kfz.-Durchgangsverkehr gesperrt ist.

Die am Feuerwehrgebäude links zum Wannseeufer führende Scabellstraße (bis 1976 Robertstraße) gehört, wie das westlich gelegene Wohngebiet Am Sandwerder/Tillmannsweg (früher Friedrich-Karl-Straße), heute zum Ortsteil Wannsee, war aber von 1930 bis nach dem Krieg ein Teil von Nikolassee.

Nr. 21, Restaurant Schloss Wannsee (Baudenkmal), erbaut  1896 von Wilhelm Schuffenhauer; auf der linken Postkarte sind die Schornsteine des Wasserwerkes Beelitzhof zu sehen. Ansicht rechts: Eingang Kronprinzessinnenweg,  Ansicht vor 1899 mit Stallgebäude (links im Bild)

Restaurantgarten am Wasser um 1910

um 1940

 

Beelitzhof

1890 kaufte der damalige Betreiber der Gaststätte „Beelitzhof“, Edmund Schmidt, eine Wiese am Wannsee direkt neben den hier gerade entstandenen Wasserwerken und eröffnete 1896 das „Schloss Wannsee“. Bis 1898 betrieb er noch den „Beelitzhof“ (danach Heinrich Krüger), der über eine Dampferanlegestelle verfügte. Von dieser veranstaltete noch in den 1950er Jahre die Reederei Kagel Ausflugsfahrten mit vier kleinen Dampfern, wurde dann aber von der Stern- und Kreisschifffahrt übernommen. Das Ausflugslokal „Schloss Wannsee“ besaß über 2000 Sitzplätze und ebenfalls eine Dampferanlegestelle. Das Gebäude existiert noch heute, allerdings nicht mehr als Ausflugslokal, sondern als Ausbildungs- und Schulungsort der Landesbank Berlin (LBB), eingezwängt zwischen der neuen Feuerwache und dem alten Wasserwerk Beelitzhof.

Wie der Kartenausschnitt von 1909 zeigt, gab es im Gebiet Wannsee/Beelitzhof außer dem Schloss Wannsee noch drei von Heinrich Krüger betriebene Restaurants, und zwar den Beelitzhof, das Restaurant Wilhelmshöhe und ein daran angrenzendes im Dreieck Wannseestraße/Mittelweg (heute Spanische Allee/Am Beelitzhof). Bis ca. 1928 war Beelitzhof ein Ortsteil der Landgemeinde Zehlendorf.  

 

Kartenausschnitt von 1909. Links oben Badehaus Nicolassee = Seebad, s. unten

Restaurant Wilhelmshöhe um 1902

Restaurant Beelitzhof um 1905 und Wirtshausgarten um 1910

 

Der später als Ausflugslokal beliebte Beelitzhof war eines der ersten Gebäude auf Nikolasseer Gebiet. 1862 bekam der Fischer Beelitz aus Zehlendorf die Genehmigung, ein Wohn- und Stallgebäude zwischen dem Wannsee und Nikolassee zu bauen. Die Gebäude wurden dann von ihm am sogenannten „Mittelbusch“ errichtet (die Straße Am Beelitzhof hieß einst Mittelweg), doch bürgerte sich der Name Beelitzhof ein.

Im Restaurant Beelitzhof fand am 1. August 1907 die Gründungsversammlung der „Nikolasseer Schwimm- und Badeanstalt“ statt, aus der das Seebad Wannsee hervorging.

 

Kronprinzessinnenweg 30, Restaurant Beelitzhof um 1913 ...

 ... und um 1929

Bootsanlegesteg Beelitzhof um 1900, ab 1930 Anlegesteg der Reederei und Werft Otto Kagel

Die Flotte der Reederei Otto Kagel in den 1950er Jahren

Das Seebad Wannsee

Maßgeblicher Initiator dieses Bades am Badeweg südlich des heutigen Strandbads war der Nikolasseer Bürger der ersten Stunde Dr. Paul Koppel, der am 1. August 1907 auch der erste Geschäftsführer der „Nikolasseer Schwimm- und Badeanstalt GmbH“ wurde. Bereits ab Frühjahr 1907 konnten die Mitglieder des Ortsvereins Nikolassee Anteile in Höhe von 500 Mark erwerben. Das zum Strand hin geschlossene Bad neben dem Wasserwerk ragte bis in den See hinein. Nachdem von den benötigten Baukosten in Höhe von 45 000 Mark bereits im Februar 1907 rd. 30 000 Mark zur Verfügung standen, konnte mit dem Bau begonnen und der Badebetrieb bereits im Sommer 1907 aufgenommen werden. Pächter war der Inhaber des Restaurants Beelitzhof, Heinrich Krüger. Das Seebad war bis Sommer 1937 in Betrieb, anschließend auf Druck der Nationalzsozialisten liquidiert und die Holzbauten wurden abgerissen. Ein kleiner, kostenlos zu nutzender Strand rechts neben der heutigen Jugendherberge ist alles, was geblieben ist – bis in die 1970er Jahren wurde es als „Freibad“ rege genutzt, steht aber auch heute noch zur Verfügung.

Nr. 33, genutzt durch die Revierförsterei Nikolassee (früher Landjägerhaus). An der östlich anschließenden Kreuzung gabeln Spanische Allee und Wannseebadweg ab.

Nr. 120, Motel und Rasthaus Grunewald West. Hier standen einst die Rennbahn-Terrassen nach ihrem Umzug wegen des Autobahnbaus aus der Borussenstraße.

Nr. 60, Revierförsterei Nikolassee (früher Forsthaus Wannsee). Hier endet die Bebauung an der Wannseeseite des Kronprinzessinnenwegs.

Abzweig der Havelchaussee; der Kronprinzessinnenweg verläuft weiter in Richtung Charlottenburg,

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