Kirchweg – ev. Gemeindezentrum

 

1908 war der Kirchweg (bis 1912 Kirchstraße, die Benennung Keltenstraße wurde verworfen) ein Abzweig des Mittelweges (heute Im Mittelbusch), der zum Friedhof führte. Er wurde 1918 bis zur Potsdamer Chaussee verlängert. An der Kreuzung Kirchweg und Im Mittelbusch sind auf der Karte von 1926 fünf Gebäude eingezeichnet. Vier dieser Häuser waren zwischen 1913 und 1924 von Hermann Muthesius errichtet worden, das Haus Kirchweg 28 wurde bereits 1912 von Walter Epstein für den Kunsthistoriker Julius Meyer-Graefe gebaut. Auf dem Grundstück Kirchweg 27 stand das Landhaus Stern (1969 abgerissen). Von den beiden Häusern für den Bildhauer Erich Wild wird das einstige Atelier- und Wohnhaus Kirchweg 24 seit 1953 vom Nikolasseer Tennisclub „Grün-Weiß" genutzt. Der Mittelhof auf dem großen, bis zur Rehwiese sich erstreckenden Grundstück Kirchweg 33 entstand während des Ersten Weltkrieges. Auch wenn die individuell gestalteten Bauten nicht aufeinander Bezug nehmen, lässt sich doch im Kirchweg – ganz in der Nähe der beiden 1907 und 1908 fertig gestellten Häuser Freudenberg und Muthesius – die Vielfalt und die Entwicklung der Architektur von Hermann Muthesius besonders gut studieren.

Wie vom ersten Pfarrer Nikolassees, Dr. Georg Hollmann (Amtszeit 1909–1937), berichtet wird, habe vor dem Bau der Kirche 1909 „eine unbeschreibliche Stille geherrscht", die „Potsdamer Chaussee sei eine stille Waldstraße gewesen und auf der Rehwiese habe das Gras halbmannshoch gestanden". Zur Einweihung der Kirche am 13. März 1910 hatte „der Kirchhügel weder Baum noch Strauch; aber er war ganz mit Erikapflanzen bebaut". Erst 1926 wurden zur Verschönerung des Kirchhügels in das Heidegelände kleine Kiefern eingepflanzt und die Stufen des Weges zur Kirche hinauf durch Eichenbohlen befestigt.

Anfang der 1930er Jahre begann die Erschließung des Areals Im Mittelbusch, Beskiden-, Von Luck- und Wasgenstraße, in deren Verlauf der Kirchweg bis zur Gerkrathstraße verlängert und seine nordöstliche Seite zwischen 1934 (Nr. 38 und 40) und 1939 (Nr. 30–32 und 36) bebaut wurde. In den 1950er Jahren wurde das Wäldchen zwischen Potsdamer Chaussee und Kirche parzelliert und bebaut. Die Bebauung der zur Rehwiese weisenden südwestlichen Seite erfolgte in zwei Abschnitten mit der Siedlung Nr. 35/51 nach 1960 und 1968/69, nach dem Abriss des Hauses Nr. 53, mit dem Komplex Nr. 53/55, in dem Anfang der 1960er Jahre u.a. Julius Posener wohnte.

 

Kirchweg 27, Haus Stern, erbaut von Hermann Muthesius 1913, abgerissen 1969 (Ansicht von der Rehwiese aus)

Kirchweg 28/Im Mittelbusch 35, Landhaus Meier-Graefe, 1912 von Walther Epstein für den Kunstschriftsteller Julius Meyer-Graefe – Baudenkmal

Nr. 25, das erste Haus für Dr. Erich Wild,  erbaut 1914 von Hermann Muthesius – Baudenkmal

 

Nr. 24, erb. 1914/15 von Muthesius für den Bildhauer Dr. Erich Wild als zweites – Atelier und Gerätehaus – erbaut. Seit 1925 Clubhaus des Tennisclubs Grün-Weiß, gegenüber von dessen Spielflächen es vor 100 Jahren ein „Luft- und Sonnenbad“ gab. – Baudenkmal

 

 

Der „Heldendenkstein“ auf dem Platz vor der Kirche, eingeweiht am 10.11.1929. Im Hintergrund das Haus Kirchweg 24. Auf dem Grundstück steht die einzige in Berlin erhaltene Betonskulptur des Bildhauers Dr. Erich Wild.

Tag der Einweihung:

13. März 1910 

Architekt

Erich Blunck,

Bauausführung Held & Francke AG, Berlin

 

Blunck (1872–1950) war

Nikolasseer und wohnte

 anfangs in dem von ihm 1904/05

erbauten Haus

Burgunderstr. 8,

ab 1908 in dem ebenfalls von ihm gebauten Haus Burgunderstraße 10.

1910 ...

... 1929 mit Wäldchen und ...

... in den 1950er Jahren. – Zusammen mit dem Gemeindehaus ein Baudenkmal (Ensemble)

Blick auf das Pfarrhaus vom Kirchhof-Eingang

Die Kirchhofkapelle, fertiggestellt von der HAG 1913.

Auf dem am 27.10.1907 geweihten Kirchhof sind einige der ersten Bewohner Nikolassees und bekannte Persönlichkeiten bestattet.

Das Gemeindehaus wurde am 21. April 1929 eingeweiht, Architekt Walter Lehweß (mit Engelbert Breidenbend), von dem auch die Lehweßschule in der von-Luck-Straße stammt. Bild nach der Fertigstellung 1929 – Baudenkmal. Mehr über das Gemeindeleben unter www.gemeinde-nikolassee.de

1950er Jahre

Das Gemeindehaus von der Rückseite (1950er Jahre); links Garten-Innenhof mit Eingang zum Kindergarten.

Auf dem Grundstück stand rechts daneben das Jochen-Klepper-Haus, ein Wehrmachtsbau aus den Kriegsjahren, der nach Wiederaufbau ab 1958 Jahrzehnte lang Treffpunkt der Jungen Gemeinde war; abgerissen 2005.

 

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