Mosaiksteine zur Geschichte der HAG-Villenkolonien in Nikolassee und Schlachtensee II
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Die HAG-Kolonien im Südwesten von Berlin Die Wannseebahn erschließt Berlins Südwesten Am 1. Juni 1874 wurden die „Alte Wannseebahn“ – die von Wilhelm Conrad (1822–1899), dem Gründer der „Colonie Alsen“ im heutigen Wannsee, finanziert wurde – und als einziger Haltepunkt zwischen Zehlendorf (Inbetriebnahme September 1838) und Wannsee (Eröffnung ebenfalls am 1. Juni 1874) der Bahnhof Schlachtensee in Betrieb genommen. Nikolassee folgte 1902 und 1904 der Jugendstilbahnhof „Zehlendorf Beerenstraße“ – 1911 in Zehlendorf-West, 1958 in Lindenthaler Allee und 1987 in Mexikoplatz umbenannt. Diese Strecke zweigte in Zehlendorf von der „Stammbahn“ ab und führte über den Bahnhof Wannsee zum Bahnhof Neu-Babelsberg (heute Griebnitzsee), wo sie wieder in die Stammbahn einmündete. 1891 erfolgte die Inbetriebnahme der „Neuen Wannseebahn“ zwischen dem neu erbauten „Berlin Potsdamer Wannseebahnhof “ und Wannsee: bis zum umbenannten Bahnhof „Zehlendorf Mitte“ (ab 1938 wieder Zehlendorf) waren nun zwei separate Gleise parallel zur Stammbahn gelegt worden. 1933 wurde die Wannseebahn elektrifiziert. Der Bahnhof Schlachtensee erschloss ein beliebtes Ausflugsgebiet mit Alter und Neuer Fischerhütte, das auch Erholung und Rekonvaleszenz in Sanatorien bot, die um die Jahrhundertwende entstanden. Zwei Jahrzehnte später entdeckte die seit 1894 in Karlshorst (wo sich das Bauvolumen schnell erschöpfte) tätige Heimstätten-AG das Gebiet um den inzwischen entstandenen Wohnplatz Schlachtensee (Teil der Landgemeinde Zehlendorf) als geeignetes Gelände für die Gründung der Villenkolonie „Schlachtensee-Ost“ um die heutige Ahrenshooper Zeile und Bergengruenstraße im Jahr 1895.
Schlachtensee-Ost: Industrie contra Wohnbebauung
Ab dem 1. April 1899 wurden in Drewitz unter dem Namen „AG für Feld- & Kleinbahnen-Bedarf, vormals Orenstein & Koppel“ Lokomotiven gebaut. Nach der Jahrhundertwende baut O&K erstmals Bagger, die dem Unternehmen eine hohe Reputation einbrachten. 1900 errichtete O&K außerdem in Berlin-Spandau die „Waggon- und Weichen-Bauanstalt Spandau", die nach dem Zweiten Weltkrieg Bagger und Eisenbahnwaggons herstellte. 2001 wird das Unternehmen von CNH/Fiat-Konzern übernommen und der traditionsreiche Firmenname aufgegeben.
Die Entwicklung der Villenkolonie Schlachtensee-Ost (siehe Karte) war für die HAG offensichtlich so erfolgreich, dass sie nach neuen Terrains Ausschau hielt; es folgten die Gründungen von Schlachtensee-West (1898) und Nikolassee (1901). Dabei begünstigte die Lage an der Wannseebahn mit eigenen Bahnhöfen die Entwickung der drei „Kolonien“ maßgeblich.
Aus dem HAG-Prospekt 1899 Schlachtensee Im Westen Berlin’s gelegen, 120 Morgen. Im Sommer 20 Minut.-Verkehr mit Berlin. 34 Minuten vom Berliner Wannsee-Bahnhof [Teil des Potsdamer Bahnhofs am Potsdamer Platz] und in 4 Minuten vom Bahnhof Schlachtensee östlich von demselben auf‘ dem neu angelegten, längs der Bahn führenden Fußwege zu erreichen. (Die Bestrebungen der Interessenten gehen dahin, die Fahrzeit zwischen Berlin und Schlachtensee um 15 Minuten abzukürzen). Zwischen Wannseebahn und Potsdamer Chaussee mitten im Walde gelegen, angrenzend an reguliertes und bebautes Villenterrain. Zur Gemeinde Zehlendorf gehörig. Privatschule für Knaben und Mädchen bis 12 Jahren in der Kolonie. Gymnasium, Knaben- und Mädchenschulen im nahen Zehlendorf. Drei praktizierende Ärzte in Schlachtensee. Badeanstalt im Schlachtensee. Gas- und Wasserleitung. Elektrische Beleuchtung in Vorbereitung. 62 Villen, welche zum Teil bewohnt sind, zum Teil im Laufe des Jahres 1899 bezogen werden. Außerdem wohnen 122 Familien in Schlachtensee. In allernächster Nähe der Schlachtensee, die krumme Lanke, die Havel, der Wannsee. Die Heimstätten-Aktien-Gesellschaft hat außer diesen 120 Morgen noch ein weiteres, westlich vom Bahnhof Schlachtensee und nur 6 Minuten von demselben entfernt gelegenes, 80 Morgen großes Gelände erworben, welches, mit Hochwald bestanden, teils bis an den Schlachtensee heranreicht und ebenfalls für die Bebauung erschlossen worden ist.
Aus dem HAG-Prospekt 1901 Die unablässige Nachfrage nach Villenbaustellen hat die Gesellschaft neuerdings veranlasst, im Westeil eine neue, vornehme Villenkolonie Nicolassee anzulegen. Zwischen elegantesten Villenvororten Berlins – Wannsee einerseits Grunewald und Schlachtensee andererseits – in ausgedehnte Waldungen eingebettet, hat dies neue Unternehmen unzweifelhaft eine bedeutende Zukunft. Der frühere Spreelauf, der sich heute noch durch die Kette der Grunewaldseeen kenntlich macht, bildet zwischen dem Schlachtensee und dem Wannsee ein 3 km langes liebliches Wiesental, die „Rehwiese“, die in den Nicolassee ausläuft und dessen hohe, hügelige Ufergelände mit prächtigem alten Walde bestanden sind. Dies bisher völlig unberührte Idyll, eines der reizendsten Stückchen Erde in der an Naturschönheiten ja nicht armen Umgebung der Reichshauptstadt ist zur Stätte der neuen Villenkolonie ausersehen worden. Diese etwa 400 Morgen (100 ha) Land umfassende Kolonie, schon jetzt von den Bahnhöfen Schlachtensee und Wannsee mühelos erreichbar, wird durch einen neuen, bereits im Bau begriffenen Doppelbahnhof an der Kreuzung der Berlin-Wetzlarer und der Wannseebahn vollends erschlossen werden. Wer die überraschende Schönheit des etwas abseits der geräuschvollen Landstraße sich hinziehenden und deshalb nur von den eifrigeren Naturfreunden aufgesuchten Waldidylls kennen lernen will, findet an der Hand des beiliegenden Lageplanes die dankbarsten Spaziergänge. Der neue Doppelbahnhof, der die Kolonie Nicolassee sowohl mit der Stadtbahn, wie mit dem Potsdamer (Wannsee-) Bahnhofe in Berlin bei verhältnismäßig kurzer Fahrzeit – etwas über 30 Minuten – verbindet, soll noch im Laufe dieses Jahres dem Verkehr übergeben werden. Das Bahnhofsgebäude stellt ein architektonisch hervorragendes Bauwerk dar. Auch an den Strassen der Kolonie wird rüstig gearbeitet und schon ist eine beträchtliche Zahl von Baustellen verkauft, deren mehrere alsbald mit eleganten Villen bebaut werden. Die Kolonie wird keiner der angrenzenden Gemeinden einverleibt werden, sondern eine besondere Kolonie im Gutsbezirke „Düppel-Dreilinden“, später eine eigene Gemeinde bilden. Da alle Neuanlagen, Straßen, Schule, Friedhof u. s. w. von der HeimstättenAktien-Gesellschaft hergestellt werden, so haben die Einwohner keine oder nur geringe Kommunalabgaben zu zahlen – ein Vorteil, der auch die rasche Hebung der Grunewald-Kolonie erzielt und den Wert der dortigen Grundstücke über alles Erwarten gesteigert hat. – Gas- und Wasserleitung sind vorhanden; voraussichtlich wird auch elektrische Beleuchtung zur Verfügung stehen.
Ergänzend heißt es im
Aus dem HAG-Prospekt 1903
Der Bau eines Geschäftshauses und eines Postgebäudes, beide gegenüber dem Bahnhof, geht seiner Vollendung entgegen.
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