Die Rehwiese und ihre Straßen

(vor 1900 Kuhfenn bzw. Franzosenwiese genannt)

 

„Der frühere Spreeverlauf, der sich heute noch durch die Kette der Grunewaldseen kenntlich macht, bildet zwischen dem Schlachtensee und dem Wannsee ein 3 km langes liebliches Wiesenthal, die ‚Rehwiese’, die in den Nikolassee ausläuft und dessen hohe, hügelige Ufergelände mit prächtigem alten Walde bestanden sind. Dies bisher völlig unberührte Idyll, eines der reizendsten Stückchen Erde in der an Naturschönheiten ja nicht armen Umgebung der Reichshauptstadt, ist zur Stätte der neuen Villenkolonie ausersehen worden." [HAG-Prospekt 1901]

Zum Landschaftsschutzgebiet Rehwiese – es umfasst eine Fläche von 25,6 Hektar – gehört auch der Nikolassee. Einst erstreckte sie sich im Westen bis auf das Gelände der Wasserwerke am Beelitzhof. Spätestens seit der Jahrhundertwende 1899/1900 trägt sie den heutigen Namen. Der etwa eineinhalb Kilometer lange, einst sumpfige Abschnitt der Grunewald-Seenkette wurde lange als Viehweide und zur Torfgewinnung genutzt, seit dem Ende des 19. Jahrhunderts dann durch die Wasserwerke. Die Planung Ende der 1930er Jahre, den Autobahnzubringer durch die Rehwiese zu führen, konnte dank massiver Bürgerproteste verhindert werden. Im Zweiten Weltkrieg wurde insbesondere der südliche Teil für den Gemüseanbau genutzt. Der die Wiese teilende, von Erlen umsäumte Wassergraben, der einst den Nikolassee mit dem Schlachtensee und dem Wannsee verband, versiegte in den 1950er Jahren. Seit 1960 steht das 25,6 ha große Gebiet einschließlich Nikolassee unter Landschaftsschutz.

In Abstimmung mit dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf haben die Berliner Wasser-Betriebe festgelegt, jährlich 3 Millionen Kubikmeter Wasser aus den zwölf Brunnen in der Rehwiese zu fördern. Zwischen 1983 und 1992 waren es jährlich noch ca. 9 Millionen Kubikmeter. Wieder entstehende vernässte Bereiche sollen bewahrt und der Gehölzwildwuchs zurückgedrängt werden. Damit der Charakter einer Wiesenlandschaft erhalten bleibt (Anfang 2005 wurde etwas viel abgeholzt), hat sich eine Interessengemeinschaft gegründet.

Die Rehwiese war stets eine naturbelassene Landschaft; sog. Sichtachsen wurden daher von den Architekten nie vorgesehen und waren angesichts des immer vorhandenen Baumbestandes auch nicht möglich.  

 

Nördliche („obere“) Rehwiese

Gerkrathstraße

Die um 1902 angelegte Gerkrathstraße begann bis 1909 am heutigen Reifträgerweg in Schlachtensee-West und endete am Rehsprung. Danach wurden das Teilstück nordöstlich der heutigen Spanischen Allee in Mariannenstraße (seit 1947 Altvaterstraße) als Verlängerung der dortigen Straße umbenannt und die Grundstücke der jetzigen, nun südlich der heutigen Spanischen Allee beginnenden Gerkrathstraße neu nummeriert. Sie mündet am Beginn der mittleren Rehwiese in dem unbefestigten Fußweg „Rehsprung“, der bis zum südlichen Ende führt. 

Ältestes der Häuser in der mit Kastanien und Eichen bestandenen Gerkrathstraße ist die 1902 erbaute und unter Denkmalschutz stehende Villa Bremer (Nr. 12). Die Häuser Nr. 4 und 9 sind ebenfalls denkmalgeschützt, ebenso der Vorgarten der Villa Broecker (Nr. 10). Bis 1907 wurden die Häuser Nr. 2, 9, 10 und 11 errichtet. Das 1908/09 von der HAG für ihren Direktor Hugo von Krottnaurer erbaute große Anwesen „Der Haidehof" (Nr. 1) wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört und das Grundstück neu bebaut. Als letztes entstand um 1980 das Haus Nr. 11a.

 

 

Blick auf die Gerkrathstraße vom Kiosk an der Spanischen Allee

 

„Der Haidehof“, Gerkrathstr. 1 Ecke von-Luck-Str., Wohnsitz von Hugo von Krottnaurer, Baumeister und Direktor der HAG, von dieser erbaut 1907, Baumeister Johannes Bartschat (obere Ansichten um 1912). Rechtes Bild: nach den Bombenschäden vom 22./23.9.1943. Nur die Gartenmauer ist (ausgebessert) bis heute geblieben.

Nördlicher Teil der Rehwiese an der Spanischen Allee Anfang 1950

Links: Rekultivierungsarbeiten. Nach dem Krieg richtete sich in den übrig gebliebenen Mauern des Haidehofs der Frisörsalon Döhring ein (hinter dem Rohbau des Kiosks). Ebenfalls in den 1950er Jahren wurde daran die Tankstelle W.&E. Klepper (am Landschaftsschutzgebiet Rehwiese!) angebaut, die bis Mitte der 1980er Jahre in Betrieb war (mittleres Bild). Wilhelm Klepper war der Bruder des Schriftstellers Jochen Klepper.

Rechtes Bild: Anlage einer Kiefernplantage.

Alt und würdig – die als Baumdenkmal geschützte Eiche in der Rehwiese (Mitte 1960er Jahre)

Haus Begas, Gerkrathstr. 2, vom Kgl. Baumeister Ludwig Otte 1906 für die Rentieren Elisabeth und Helene Begas erbaut, Töchter des Malers Kurt Begas

Nr. 3, 1914/15 von Abel Offenberg für den Ing. Albert Kreuzer

Nr. 4, erbaut 1909/10 für Frl. Julie Meyer (Ansicht 1911) – Baudenkmal, rekonstruiert 2005/06

Nr. 6 (mit Nr. 5), erbaut 1909 von Max Grünefeld für den Kfm. J. Berger

Nr. 8 (bis 1909 Nr. 20–21), Villa Mahn, erbaut 1908 für den Hutfabrikanten Ernest Riegger

Nr. 9 (früher 22, erbaut 1905/07 von Otto Stahn für den Bergwerksbesitzers Richard Schroeder  – Baudenkmal

Nr. 10 Villa Broecker (Geh. Reg.-Rat Dr. Hermann Broecker)

Nr. 11, Villa Unger, erbaut 1907 von Johannes Kraaz für den Kfm. Alfred Unger

 

Nr. 12 (früher 25), Haus Bremer, erbaut 1902 von Georg Königsberger für den Oberlehrer Dr. Fritz Bremer – Baudenkmal

Nr. 13, Haus Iwan, von und für Architekt Richard Iwan, 1910/11, links Ansicht von der Gerkrathstraße, rechts vom Kirchweg

Bohrungen für die Brunnengalerie der Wasserwerke in den 1950er Jahren vor dem Haus Kirchweg 57

Ecke Kirchweg 57/Gerkrathstraße: Haus van Heteren (um 1922) – Baudenkmal

Kirchweg – links und rechts an der Treppe zur Lückhoff-/Schopenhauerstraße

Die Königsberger Diakonissen – Jahrzehnte lang fest mit der ev. Kirchengemeinde verbunden.

Links: Kirchweg 57, erbaut 1921/22 von Heinrich Straumer für den aus Amsterdam stammenden Im- und Exportkaufmann Johannes Albertus van Heteren, oberes Bild Ansicht nach Fertigstellung. Das 1914/15 errichtete Gebäude rechts, Nr. 53 (früher Sudetenstr. 56, Dir. Dr. jur. E. Kliemke, später „Siemens-Villa“), wurde abgerissen und 1967 das Grundstück mit einem großen Wohnblock bebaut. Die beiden Ansichten entstanden in den 1950er Jahren.

Auf dem Schulweg vom S-Bahnhof zur Lehweß-Schule in der Von-Luck-Straße: Das Ende der Normannenstraße zwischen nördlicher und mittlerer Rehwiese zur Treppe; im Hintergrund die Häuser Lückhoffstr. 35 und Schopenhauerstr. 97 (Postkarte von 1910)

Rechts in Richtung Rehwiese mündet die Gerkrathstraße über den abgebildeten Weg in die Normannenstraße. Im Hintergrund die Häuser An der Rehwiese 12 und 11.

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